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Manuel war ein wichtiger und unentbehrlicher Mann..


 

Manuel glaubt immer etwas tun zu müssen. Sonst glaubt er, habe das Leben keinen Sinn, verliere er nur seine Zeit, brauche die Gesellschaft ihn nicht, liebe ihn niemand, wolle ihn niemand.

 

 

Aus diesem Grund warten gleich nach dem Aufwachen eine Menge Aufgaben auf ihn. Er muss die Nachrichten im Fernsehen ansehen (es hätte ja über Nacht etwas passieren können), er muss die Zeitung lesen (es hätte ja am Vortag etwas passieren können).....

 

Er wird immer wieder auf die Uhr schauen, wenn möglich ein paar wichtige Telefonate mit dem Handy führen-wobei er darauf achtet, dass das alle mitbekommen weil er so ein vielbeschäftigter Mann ist.

 

An seinem Arbeitsplatz angekommen stürzt sich Manuel sofort in die Aktenberge, die ihn erwarten... Falls es keine wichtigen Aufgaben gibt, wird Manuel gleich welche entwickeln und sogleich einen Plan aufstellen und Weisung geben, wie dieser umzusetzen sei...

 

Zuhause nach dem Abendessen (und dem üblichen Smalltalk in der Familie) setzen sich die Kinder vor den Computer und Manuel vor den Fernseher, um sich die Nachrichten anzusehen (es könnte ja etwas passiert sein).

Beim Insbettgehen erwartet ihn ein Sachbuch auf dem Nachttisch- die Konkurrenz schläft ja bekanntlich nicht.

Vor dem Einschlafen redet er noch mit seiner Frau, schließlich ist er ein aufmerksamer, freundlicher, arbeitsamer und liebevoller Mann, der für seine Familie sorgt und bereit ist, alles für sie zu tun.

Er schläft sofort ein, weil er weiß, morgen wird wieder er ein harter Tag und er muss fit sein.

 

In dieser Nacht hat Manuel einen Traum. Ein Engel fragt "Warum tust du das alles?" Und Manuel antwortet: " aus Verantwortungsbewusstsein".

Der Engel fährt fort: " Könntest du nicht jeden Tag eine Viertelstunde lang innehalten, dir die Welt anschauen, dich selbst betrachten oder einfach gar nichts tun?"

Manuel sagt er würde das liebend gerne tun, hat aber keine Zeit dazu.

 

"Das stimmt nicht", sagt der Engel. Jeder hat die Zeit. Dir fehlt nur der Mut dazu. Arbeit ist ein Segen, wenn sie uns hilft über unser Tun nachzudenken. Aber sie wird zu einem Fluch, wenn sie nur dazu dient, zu verhindern, dass wir über den Sinn des Lebens nachdenken."

(Zusammengefasst, im Original von Paulo Coelho)

 

Wieviel "Manuel" steckt in dir?

 

Wie oft rennen wir im Hamsterrad, weil wir denken funktionieren und etwas leisten zu müssen. Weil wir erst dann etwas wert und liebenswertere und wertvollere Menschen sind? Glauben wir das wirklich?

Was ist mit den Menschen, die keiner Arbeit nachgehen können, die nach gesellschaftlicher Sicht nichts leisten können, die vielleicht sogar abhängig von einem unterstützenden System sind? Was ist mit den Menschen, die aus verschiedensten Gründen nicht die Möglichkeit dazu haben? Und was ist mit den Menschen, die dieses System nicht unterstützen möchten und gerne ihre Mußestunden genießen, in dem sie einfach gar nichts tun? Die vielleicht einfach nur den Wolken zusehen, die am Himmel vorbei ziehen und glücklich sind mit dem was ist?

 

Können wir so tatsächlich über den Wert eines Menschen urteilen?

 

Vielleicht tun wir alle gut daran ein wenig das Tempo rauszunehmen. Gesünder wäre es definitiv (man sehe sich nur die aktuellen Statistiken von Menschen mit psychischen Erschöpfungssyndrom an)

Früher wurden Müßiggänger als Faulenzer abgestempelt- heute finde ich diesen Begriff direkt erstrebenswert.

Nicht immer mehr, höher, schneller, weiter sondern weniger, ruhiger, genussvoller.

 

In diesem Sinne,

eure Sabine

 

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